Bioenergiepark in Freren – Bardel

Gestern Abend hat der Landwirtschaftliche Kreisverein Lingen die Mitglieder aus den Samtgemeinden Spelle und Freren zu einer Informationsveranstaltung zur Errichtung eines Bioenergieparks  in den Saal Lüns, Freren eingeladen. Gäste waren Jan Wulkotte, LWK (Meppen), Christoph Gers-Grapperhaus, LWK (Oldenburg) und Samtgemeindebürgermeister Godehard Ritz aus Freren.
SG-Bürgermeister Ritz nahm sich trotz eigenen Urlaubs Zeit und berichtete, dass seitens der Verwaltung mit den Betreibern ein sogenannter städtebaulicher Vertrag geschlossen werden solle, der ausschließt, dass die geplante Biogasanlage mit über 4 MW(el) mit nachwachsenden Rohstoffen gefüttert wird und keine Gärreste oder sonstiger Output auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wird. Dieser Vertrag wird mit Beratung durch Dr. Schulte, einem sehr rennomierten Ex-Richter am OVG NRW, möglichst rechtsicher gestaltet.
Bisher ist es vorgesehen, dass am 12. Mai 2011 der Samtgemeinderat die nächsten Schritte zur Realisierung der Großanlage beschließen soll.

Jan Wulkotte ging in seinem Referat auf den Strukturwandel der Landwirtschaft in Niedersachsen, im Emsland aber auch explizit in der Samtgemeinde Freren ein. So hatten wir in Niedersachsen in 2008 614 Biogasanlagen und im letzten Jahr bereits 1333 Anlagen am Netz. Im Emsland stieg die Zahl der Anlagen von 7 (2004) auf 140- wahrscheinlich werden wir Ende diesen Jahres über 200 Biogasanlagen im Emsland zählen können.
In der Samtgemeinde Freren stehen bisher 5 Biogasanlagen und weiter zwei Anlagen werden noch in 2011 ans Netz gehen.

Weiterhin stellt Wulkotte fest, dass die Nutztierhaltung im Emsland aber auch in Freren stark gewachsen ist, wobei in der Samtgemeinde deutlich weniger Geflügel, dafür aber mehr Schweine gehalten werden.

Bei den Ackerkulturen haben wir im Emsland einen Maisanteil von etwa 46% im letzten Jahr erreicht. Die Tendenz und Prognose ist aber deutlich steigend, weil die Kartoffel bisher mit 16,2% stark angebaut wird und diese Frucht aus marktordnungspolitischen Gründen künftig eine deutlich schlechtere Wirtschaftlichkeit aufweisen wird. In Freren liegt der Maisanteil traditionell schon deutlich höher als im restlichen Emsland.
Aus diesem Grunde und weil der Kartoffelbau mit ca. 3% ein niedriges Niveau aufweist wird eine
weitere deutliche Ausweitung nicht wahrscheinlich sein.

Abschließend betrachtete Wulkotte den Flächenbedarf für die Düngung im Emsland und in Freren. Hier wurde deutlich, dass bereits heute in beiden Untersuchungsgebieten mehr Wirtschaftdünger und Mist anfällt als Flächen zur Verfügung stehen. Die Samtgemeinde Freren hat aber den Nachteil, dass hier nicht so viel Geflügelmist anfällt, der leicht und kostengünstig exportiert werden könnte. Ein zusätzlicher Anfall von Gülle oder Gärsubstraten würde die Flächenknappheit weiter verschärfen.

Hochinteressant wurde der dritte Vortrag von Gers-Grapperhaus:
Er beschrieb die Technik, die Komplexität der Vergärung verschiedener Inputstoffe und die möglichen Wege des sogenannten Outputs, also der Gärsubstrate bzw. deren Verarbeitungsprodukte.
So stellte er zum Beispiel fest, dass eine vorgesehene tägliche Inputmenge von 49,5 Tonnen niemals ausreichen dürfte, um die geplante 3 MW(el) Leistung in der ersten Ausbaustufe zu erreichen.
Ferner berichtete er, dass die Preise für sogenannte Abfallstoffe starken Schwankungen unterliegen. Waren vor ein paar Jahren noch Vergütungen für die Abnahme von Abfallstoffen möglich, so müssen heute diese Stoffe teuer bezahlt werden.
Völlig unklar ist dem Referenten wie die Betreiber die vorgesehene Aufbereitung der Gärreste realisieren wollen.
Die Betreiber planen die Gärreste soweit aufzubereiten, dass das Restwasser in die Kläranlage Beesten eingeleitet werden kann.
Bisher wären Gers-Grapperhaus keine Anlagen bekannt, die über einen Pilotbetrieb hinaus Gülle bzw. Gärreste soweit behandeln können, dass hinten sauberes Wasser herauskommt.
Die Abgepressten Feststoffe sollen nach Betreiberangaben zusätzlich zu den riesigen Klärschlammmengen, die bereits heute auf natürliche Weise
auf dem ehemaligen Bundeswehrdepotgelände in Freren- Bardel getrocknet werden, mit der Abwärme aus der Biogasanlage soweit getrocknet werden, dass diese verbrannt werden können.
Auch das hält der Referent für unschlüssig. Ihm seien NaWaRo-Biogasanlagen bekannt, die kein besonderes Wärmekonzept besitzen, außer dass sie ihre eigenen Gärreste wieder trocknen sollen. Dabei würde die eigene Abwärme dieser Anlagen nur für 50% der Gärreste zum trocknen ausreichen.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es anscheinend keine weitere Biogasanlage gibt, die nach vorgesehem Konzept betrieben wird.
Es wurde auch von Ritz bestätigt, dass 20 bis 30 landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz bedroht sind, wenn für den Input nachwachsende Rohstoffe verwendet werden oder der Output über die landwirtschaftlichen Flächen entsorgt werden müsste.

Auch der geplante Einsatz von Nebenprodukten aus der Nahrungsmittelherstellung wie z.B. Rapspresskuchen, Glycerin, Treber und Fette sorgt für Nachteile für die hiesige Landwirtschaft, denn das sind zum Teil auch Produkte, die aus sehr gutem Grund in der Tierernährung ihren Platz haben.

Ich bin der selben Meinung wie die über 120 anwesenden Landwirte aus den Samtgemeinden Spelle und Freren: So eine Anlage darf erst gar nicht gebaut werden! Die Räte der Stadt und Samtgemeinde sollten die großen Bedenken der Bauern ernst nehmen und den Mut haben, gegen irgendwelche Änderungen des Flächennutzungsplanes zu stimmen.

Weitere Infomationen:

die Betreiber in Spe:
Biene-Service GmbH
VEZ Freren GmbH

Artikel der Lingener Tagespost vom 3.9.2010

2 Responses to “Bioenergiepark in Freren – Bardel”

  1. Clemens Holthaus sagt:

    Hallo Buggy,

    diese Mega-Biogasanlage hat sich doch jetzt schon überholt. Der Trend geht doch überall zu dezentralen Lösungen, sowohl bei den Biogasanlagen als auch im Bereich der Klärschlammaufbereitung und Verwertung. Auch für kleinere Kläranlagen wird es sich in Zukunft immer öfter rechnen, die anfallenden Schlämme selbst in eigenen, kleinen Faultürmen und BHKW`s energetisch zu nutzen, anstatt ihn quer durchs Land zu karren und irgendwo zentral zu behandeln.
    Und wer auf seiner Internet-Seite mit Daten von 1990 (!) zur landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung argumentiert, wie die ga-group, zeigt sich damit nicht gerade als seriöser Betreiber. Richtig ist, dass in Niedersachsen mehr als zwei Drittel des kommunalen Klärschlammes der landwirtschaftlichen Verwertung zugeführt werden (2007), und nicht wie angegeben 25% … Und das ist gut so.
    Freren hat einfach kein Energiekonzept wie beispielsweise Lengerich. Jetzt versucht man durch den Bau dieser Mega-Anlage hier etwas übers Knie zu brechen.

    Glückwunsch zu deinem Bog!