geringste Getreideernete seit 1976

Wie der Landvolk Presse Dienst jüngst mitteilte, wird die Getreideernte in Niedersachsen so klein ausfallen wie schon lange nicht mehr (Bericht in Land&Forst).

Dieses hat zwei Gründe:

Als erstes hat die dramatische Frühjahrestrockenheit sich sehr negativ auf die Getreidebestände und somit auf die Erträge bzw. die Ertragserwartungen ausgewirkt. Aber ein weitere starker Effekt ist der zunehmende Anbau von Mais, der den Getreideanbau besonders in den letzten Jahren zurückdrängt.

Vor 35 Jahren lagen die Durchschnittserträge noch bei ca. 40dt pro Hektar. Aktuell ist das Ertragsniveau beim Getreide  fast doppelt so hoch wie damals, aber diese höheren Durchschnittserträge können den massiven Getreideflächenrückgang nicht mehr kompensieren, so dass zumindest in Niedersachsen die Getreideernte kleiner ausfallen wird als 1976.

Bisher konnten wir auf unserem Hof auch nicht an die hohen Erträge der Vergangenheit anknüpfen. Die Wintergerste (nach Raps als Vorfrucht ausgesäät) brachte geschätzte 60 bis 65 dt, womit ich noch sehr gut zufrieden sein muss, denn viel mehr war wohl nicht möglich in unserer Region.

Während im letzten Jahr der Winterraps die wirtschaftlich erfolgreichste Frucht auf unserem Hof war, wird sie in diesem Jahr wohl die schlechteste angebaute Kultur werden: weniger 25 dt/ha auf einem verhältnismäßig guten Boden -ein Fiasko! Somit bleibt mir da die Hoffnung auf den Vorfruchtwert für die nachfolgende Gerste im nächsten Jahr.

triticale-auswuchstest.jpg

Als nächstes steht die Roggen und Weizenernte an. Rekorderträge wird es auch da nicht geben, lediglich der Roggen sieht noch verhältnismäßig gut aus. Aber wegen des wechselhaften Wetters heißt es nun erst mal abwarten bis die Sonne sich für mehrere Tage durchsetzen kann. Das andauernde feucht-nasse Wetter befördert in den Triticale- aber auch Weizenbeständen den Auswuchs. Es keimen die Körner bereits auf dem Halm und deutliche Qualitätsminderungen sind die Folge (siehe auch hier)

So wie es aussieht wird der Mais mal wieder sehr gut werden. Im Verhältnis zum letzten Jahr steht dieser eigentlich überall außerordentlich gut! Nur bei Maisflächen, die nach Grünroggen oder Gras ausgesät wurden, kann man auch schwächere Bestände finden.

Angesichts der Probleme von Getreide, Raps und Co. in diesem Jahr während der Frühjahrestrockenheit, die in den letzten Jahren häufig anzutreffen war, wird der Maisanbau wohl weiter ausgedehnt werden, denn der Mais scheint auch längere Trockenphasen recht gut zu überstehen (wie im letzten Jahr beeindruckend geschehen).

An dieser Stelle stehen viele Landwirte vor einem Dilemma: der zunehmende Maisanbau findet immer weniger Akzeptanz in der Bevölkerung, viele sprechen von einer Vermaisung– gleichzeitig ist der Mais aber die Kultur mit der höchsten Ertragssicherheit. Ein Ansatz aus dieser Zwickmühle herauszukommen ist die Anlage von sogenannten Blühstreifen (darüber plane ich einen eigenen Blogbeitrag).

Die Saatgut-Mischungen (pdf-Flyer) für viele im Nordwesten angebauten Blühstreifen bzw. Wildacker wurden übrigens von Norbert Uerlings (Ackerbauring Lingen), Josef Schröer und Leo Langenhorst (Landwirte und Jäger aus Lingen-Mundersum bzw. Messingen) entwickelt und werden durch die AGRAVIS über die örtlichen Genossenschaften vertrieben.

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