Schmallenberg

Schmallenberg ist eine kleine Stadt im Sauerland und seit Ende letzten Jahres auch Namensgeber des in Europa neu aufgetretenen „Schmallenberg-Virus“.  Seit Anfang des Jahres häufen sich die Berichte zu dieser Tierkrankheit bei Rindern, Schafen und Ziegen, die durch das sogenannte Schmallenberg-Virus ausgelöst wird. Der Name ist eigentlich vorläufig, doch ähnlich wie bei der sogenannten Schweinegrippe wird auch dieser Name sich nicht mehr aus den Köpfen der Menschen herauslösen lassen – zum Leidwesen der kleinen sauerländischen Stadt, die somit in der nahen Zukunft immer mit einer Tierkrankheit in Verbindung gebracht wird.

Lamm

Bild: (c) by Daniel Stricker/pixelio.de

Und da es bei einer neuen Krankheit natürlich mehr Fragen als Antworten gibt, die Unwissenheit groß ist, entstehen schnell auch Ängste in der Bevölkerung, besonders in der deutschen Bevölkerung.

Deshalb möchte ich mit einfachen Worten den aktuellen Wissensstand widergeben:

Die Wissenschaft und hier speziell an erster Stelle das Friedrich-Loeffler-Institut forscht seit dem ersten Auftreten intensiv.

Schnell fand man heraus, dass  das Virus große Ähnlichkeiten mit dem Blauzungenvirus aufwies. Man geht daher davon aus, dass das neue Virus aus wärmeren Regionen wie Asien oder Afrika eingeführt wurde und über stechende Insekten wie Mücken übertragen wird. Befallen werden nur Rinder, Schafe und Ziegen- eine Übertragung auf den Menschen erscheint den Wissenschaftlern als sehr unwahrscheinlich!

Bei ausgewachsenen Tieren sind die Krankheitssymptome meist eher mild. Die Krankheit macht sich mit Fieber, Milchrückgang und Durchfall bemerkbar. Am auffälligsten sind allerdings die Aborte und Missbildungen der Föten und neugeborenen Lämmer und Kälber, wenn ein Muttertier während der Trächtigkeit infiziert wurde.

Das FLI konnte das Virus isolieren, anzüchten, vermehren und eine Nachweismethode für das Virus entwickeln. Dieses Wissen wurde unmittelbar mit wissenschaflichen Institutionen in den Nachbarländern geteilt. Deshalb habe ich die Hoffnung, dass es wie bei der Blauzungenkrankheit relativ schnell gelingen wird, einen Impfstoff herzustellen.

Die Blauzungenkrankeit hat in den ersten Jahren nach Ihrem ersten Auftreten im Jahr 2006 zunächst auch erheblichen wirtschaftlichen Schaden angerichtet. Aber durch die entsprechenden Maßnahmen wie Parasitenschutz und dann die Impfung konnte diese Krankheit besiegt werden. Die letzte Neuinfektion wurde in 2009 registriert.

Aktuell verhängen einige Drittländer aus Nordafrika Importbeschränkungen für Rinder. Auch dadurch entsteht der hiesigen Landwirtschaft ein großer Schaden. So profitierten die deutschen Milchviehhalter von der großen Nachfrage von Zuchtvieh in diesen Ländern- zu Beginn der „Blauzungenepedemie“ reagierten diese Staaten übrigens genauso.

Russland führte sogar darüber hinaus ein Importverbot für Schweine ein, was wohl eher als eine politische Maßnahme zu verstehen ist, da das Schmallenberg-Virus dem Schwein nicht gefährlich werden kann und auch nicht als Wirtstier nutzt.

Wegen den unübersehbaren Parallelen zur Blauzungenkrankheit bin ich optimistisch, dass auch das Schmallenbergvirus recht schnell eingedämmt werden kann. Allerdings muss auch mit einem starken Anstieg der Fallzahlen gerechnet werden, da diese Krankheit meist erst mit der Totgeburt eines Kalbes bzw. Lamms auffällig wird.

Verbreitung Schmallenberg-Virus 12.3.2012

Dieser Beitrag ist auch eine Antwort auf einen Bericht in Roberts Blog 😉


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