Archive for the ‘Atomausstieg’ Category

begehrtes Stroh

Samstag, November 5th, 2011

Zur Zeit werden auch bald die letzten Maisfelder abgeerntet. In diesem Jahr wird der Mais neben Kartoffel und Zuckerrübe der Gewinner unter den Ackerfrüchten sein.

Verlierer Im Erntejahr 2011 sind leider Raps und Getreide.

Beim Getreide war die  Ernte so gering wie seit 1976 nicht mehr. Das führte in diesem Jahr zu ungeahnt hohen Strohpreisen. Wie die Fachzeitschrift TOP AGRAR berichtet, haben die Preise für Heu und Stroh in den letzten Wochen Rekordhöhen erreicht. Vor allem die Milchviehhalter, die ihren Bedarf an Stroh für die Fütterung und für die Boxeneinstreu über den Stroh-Zukauf decken, haben das zu spüren bekommen. Je nach Region werden im Norden und Westen Deutschland 110 bis 130 € pro Tonne, in den Strohmangelgebieten sogar bis zu 180 € pro Tonne Gersten- oder Weizenstroh gezahlt. Dabei handelt es sich um fertig gepresste Ware, die auf den Hof geliefert wird. Aus den Niederlanden wird teilweise von noch höheren Preisen berichtet. (weiter bei top agrar)

Die Münsterländische Volkszeitung schildert den Preisanstieg aus Sicht einer Pferdehalterin, die nun auf Schilf als Einstreu umgestiegen ist.

Die Gründe für diesen rasanten Preisanstieg sind vielfältig:

Einerseits wirkt sich der immer geringere Getreideanbau und die in diesem Jahr schlechte Ernte durch ein niedriges Angebot auf den Preis aus.

Andererseits ist Stroh heute mehr als nur Einstreu für Tierställe- auch die Nachfrage steigt. Und die Kombination aus geringem Angebot und gesteigerter Nachfrage lässt den Preis für Stroh so stark steigen.

Neben der Funktion als Einstreu und Substrat für Speisepilze gewinnt Stroh immer mehr als Energieträger an Bedeutung:

Steigende Rohölpreise und damit höhere Energiekosten ermöglichen heutzutage Projekte, die man vor wenigen Jahren nicht für möglich hielt. So entsteht zu Zeit in Emlichheim (Grafschaft Bentheim) in der Nähe des Stärkekartoffelwerkes ein riesiges Strohverbrennungskraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung und Prozesswärmeerzeugung.

BEKW-Gebäude

Die Anlage soll ab Herbst 2012 mit 75000 t Stroh ca. 10 MW Strom und knapp 50 MW Wärme produzieren. Ein gigantisches ökologisches Projekt, denn es dürften sicherlich 15000 ha Getreidefläche für die ausreichende Bereitstellung des Strohs nötig sein- das wären ein Viertel bis ein Drittel der Getreidefläche im Landkreis Emsland und der Grafschaft Bentheim!

Es ist also wohl davon auszugehen, dass zumindest regional im Emsland das Stroh nicht billiger werden wird. Der Strohverkauf wird an Bedeutung gewinnen, Zeiten in denen das auf dem Äckern liegende Stroh einfach verbrannt oder später für 1 € pro Großballen verramscht wurde, sind endgültig vorbei.

Der Landwirt sollte aber bei aller Euphorie nicht den Dünge- und Humuswert des Strohs vernachlässigen. In der Landwirtschaft wird Stroh zurzeit auch dafür verwendet, Humusdefizite des Bodens, die aus dem Anbau v.a. von Kulturen wie Kartoffeln, Mais, Rüben, Gemüse, aber auch von Getreide resultieren, auszugleichen. Wird Stroh verstärkt vom Acker abgefahren und anderweitig genutzt, wächst das Risiko von Humusdefiziten im Boden und damit langfristig für die Bodenfruchtbarkeit (Strohverbrennung versus Humusversorgung des Bodens (pdf)).

Ich vermute, dass das Strohkraftwerk in Emlichheim nicht das einzige in Deutschland bleiben wird und Stroh immer mehr auch als umweltfreundlicher Energieträger betrachtet wird, der nicht in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung steht. Da Stroh nun immer kostbarer wird, dürften die problematischen Freilandlager nach und nach durch Strohhallen ersetzt werden, in denen das Erntegut auch wirklich trocken bleibt.

Ich hoffe für die Grafschafter Kraftwerksbetreiber, dass sich der Betreibe der Anlage auch bei höheren Strohpreisen rechnet und sich der unternehmerische Mut auszahlt.

Für die Landwirtschaft ist es sicherlich positiv zu sehen, dass das Stroh auch als Energieträger interessant wird. Möglicherweise lässt sich die andauernde Maisanbauausweitung (auch Vermaisung genannt) eindämmen oder sogar umkehren. Aber vielleicht kommt es auch ganz anders, denn beim Maisstroh, dass nach dem Mähdrusch bisher immer auf den Flächen verbleibt, wird bereits experimentiert (z.B. Firma Kaliro aus Rheine).


Energiewende

Donnerstag, April 7th, 2011

Nachdem sich im Japanischen Fukushima-Daiichi eine unglaubliche Katastrophe ereignet hat, beeilen sich unsere deutschen Politiker möglichst schnell aus der Atomkraft aus zu steigen. Das von der Bundesregierung  verhängte Atom- Moratorium und die jüngst eingesetzte Ethik-Kommission sollen für eine Neubewertung und daraus folgend für eine Änderung der Energiepolitik genutzt werden.Dass die sieben abgeschalteten Atomkraftwerke nicht sofort durch regenerative Energien ersetzt werden können, wird durch den aktuellen Zukauf von Atomstrom aus unseren Nachbarländern deutlich.Bis auf Kanzlerin Merkel und die CDU scheinen alle anderen Politiker und Parteien sich ein Wettrennen um den schnellsten Ausstieg zu liefern. Mir kommt das Verhalten dabei wie ein politischer Hühnerhaufen in Panik vor!Aus diesem Grund habe ich als aktiver Landwirt und Tierhalter allergrößte Sorgen, dass jetzt mit ganz heißer Nadel das Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien (EEG) so geändert wird, dass es in der Praxis zu tief greifenden Verwerfungen kommen wird.Das aktuelle EEG hat bereits die Biogasanlagen mit einem viel zu hohen Nachwachsenden-Rohstoffe-Bonus ausgestattet, der die Tierhalter in den intensiven Veredlungsregionen an den Rand gedrängt hat. Das hatte bisher schon nichts mehr mit Fairness und Wettbewerb zu tun und zu befürchten ist, dass die inländische Lebensmittelerzeugung weiter benachteiligt wird.Bei den Überlegungen zur neuen Energiepolitik müssen die Folgen ausreichend berücksichtigt werden. Wenn die Novellierung des EEG zu mehr Windkraftanlagen im Inland und im Meer führt, dann kann ich da als Landwirt sehr gut mit Leben. Aber eine weitere deutliche Förderung der Biogasanlagen, die für eine gewisse Grundlast im Mix der erneuerbaren Energien sorgen können, sollten die Auswirkungen auf die Tierwelt, das Grundwasser, dem Landschaftsbild aber auch auf eine bisher völlig gesunde und starke Ernährungsbranche abgewogen werden.Ohne Zweifel: Biogasanlagen haben zwei sehr große Vorteile:1. Sie können auch nachts, wenn die Sonne nicht scheint und bei Flaute, wenn sich kein Windrad dreht, Strom und Wärme produzieren.2. Statt der Stromerzeugung können Biogasanlagen auch zur Gaserzeugung verwendet werden. Mit diesem Gas könnte dann gekocht, geheizt aber auch  Autos und Busse damit betankt werden.Ich bin dafür, dass die Förderung von weiteren Biogasanlagen die bestehende, Nahrungsmittel erzeugende Landwirtschaft  nicht noch stärker benachteiligen darf und statt dessen die Forschung in Biogas weiter verstärkt wird. Denn eines ist auch sicher: Bezüglich der Effektivität sind Biogasanlagen noch eher am Anfang der Entwicklung!

Grün-Rot

Dienstag, März 29th, 2011

rot-gruen-schwaeche.jpgAm letzten Sonntag hat sich in Baden-Würtemberg historisches ereignet: Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands wird eine Grün-Rote Regierung ein Bundesland regieren.

Doch wie konnte das überhaupt passieren? Wirtschaftlich geht es dem Land doch sehr gut. Warum haben bei einer hohen Wahlbeteiligung die Bürger die aktuelle Schwarz-Gelbe Koalition abgewählt?

Die Antwort ist meiner Meinung nach klar: Der Super-Gau in Japan.

Diese unendlich große Katastrophe in Japan hat hier in Deutschland bei der Bevölkerung eine sehr große Besorgnis bis zur blanken Angst erzeugt. Gefördert wurde dieser Angsttrieb der Deutschen durch die einseitige Berichterstattung der Medien und die warnenden Worte der Umweltpolitiker.

Diese Angst führte bereits bei vielen zur Hysterie und Panikkäufen. Vielerorts waren Geigerzähler, Gasmasken, Jodtabletten und Dauerwaren zur Anlage eines Notvorrats ausverkauft!

Dieses eine Thema „Angst vor Atom“ hat in Baden-Würtemberg alle anderen Theman überstrahlt. Die Folgen und der Sinn eines möglichst schnellen und einseitigen Atomausstiegs wurden kaum diskutiert. Wirtschaftliche Vernunft war im Wahlkampf kein Thema.

Aber jetzt müssen Grün-Rot im Südwesten Regierungsverantwortung übernehmen. Und da bin ich wirklich sehr gespannt, wie die Finanzen unter Kontrolle gehalten werden sollen angesichts der angekündigten Energiewende und des möglichen Ausstiegs aus dem Bahnprojekt Stuttgart 21.

Für die CDU ist diese Niederlage ein herber Einschnitt, aber möglicherweise erhöhen sich nun die Chancen, auf Bundesebene weiterregieren zu dürfen. Denn die Grün-Roten Oppositionsphantasien müssen nun in Regierungsformen gegossen werden und dabei wird man viele enthusiastische Wähler enttäuschen müssen bzw. viele Grün-Wähler werden die Kehrseite der Medallie erleben: nämlich steigende Energiepreise (und wahrscheinlich auch höhere Nahrungsmittelpreise) und eine höhrere Staatverschuldung.

Dabei ist der jetzt eingeschlagene Weg von Kanzlerin Merkel genau richtig: Atomausstieg ja, aber bitte mit Augenmaß!

Weiterhin dürfen die Grünen nun demonstrieren, dass sie nicht immer nur plump DAGEGEN sind.

Viele Bauern und Tierhalter haben nun ihrerseits Sorgen, dass ihnen das Leben unter einem grünen Ministerpräsidenten schwer gemacht wird. Aber auch die restlichen Unternehmer machen sich Sorgen, dass Grün-Rot sehr viel Lehrgeld zahlen muss!

Ich hoffe, dass Politik mit Sachverstand gemacht wird – dann wäre es egal, welche Partei mit welchem farbigen Anstrich das Sagen hat. Bis dahin bleiben die Christdemokraten die einzige Alternative.