Archive for the ‘Landwirtschaft’ Category

WIKU – Video-Projekt 1

Mittwoch, Januar 18th, 2012

Seit 1929 führt die Katholische Landvolkhochschule Oesede einen mehrmonatigen Winterkurs für junge Erwachsene aus dem ländlichen Raum durch. Seit November ist der 69. Winterkurs (WIKU) zusammen um sich nach der Berufsausbildung für den weiteren beruflichen Werdegang zu qualifizieren.

Jetzt aktuell hat der WIKU die Ergebnisse ihres Videoprojekts auf YouTube eingestellt. Es sind wirklich hervorragende Videos dabei herausgekommen.

Hier Die Videos zum ersten Themenkomplex „Tierhaltung in der Landwirtschaft„:


(Falls die Videoeinbettung nicht funktioniert bitte diesen Alternativlink anklicken)

Klagewelle

Mittwoch, Januar 4th, 2012

Die von der ehemaligen Landwirtschaftsministerin Renate Künast betriebene erhöhte Modulation für die jährlichen Ausgleichszahlungen an die deutsche Landwirtschaft hält das Verwaltungsgericht Frankfurt/Oder für nicht EU-gesetzeskonform!

Der Europäische Gerichtshof muss nun weiter entscheiden.

Richterhammer

Für viele Landwirte kann es daher wichtig sein, rechtzeitig Rechtsmittel einzulegen und gegen den Mitte Dezember 2011 zugegangenen Bescheid zur Betriebsprämienregelung (Antragsjahr 2011) vor dem zuständigen Verwaltungsgericht zu klagen.

Der landwirtschaftliche Kreisverein Lingen schreibt dazu:

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Verwaltungsgericht Frankfurt/Oder hält mit dem Beschluss vom 28.09.2011 die 2009 vorgesehene Erhöhung der Modulation im Jahr 2011 um 4 Prozentpunkte auf 9 % sowie die Einführung der progressiven Modulation für EU-rechtswidrig. 

Es hat das Verfahren ausgesetzt und dem EuGH zur Vorabentscheidung vorgelegt. Betroffen sind alle Mitglieder, die eine über 5.000,00 € hinausgehende Betriebsprämie erhalten.

Daraus folgt:

Wenn ein Betriebsinhaber keinen Rechtsbehelf gegen den Bewilligungsbescheid 2011 einlegt, wird dieser rechtskräftig. Selbst wenn der EuGH (mit einer Entscheidung ist erst im Jahr 2013 zu rechnen) ebenfalls die Erhöhrung der Modulation und/oder die progressive Modulation fiir unionsrechtswidrig hält, hat ein Betriebsinhaber keinen Anspruch darauf, dass die Verwaltung den rechtskräftigen Bewilligungsbescheid zu seinen Gunsten abändert.

Betriebsinhaber müssten zur Rechtswahrung innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheides (siehe Rechtsbehelfsbelehrung) Klage beim zuständigen Verwaltungsgericht erheben.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass bisher nicht absehbar ist, ob der EuGH die Rechtsauffassung des Verwaltungsgerichtes Frankfurt/Oder teilt. Der Betriebsinhaber muss also damit rechnen, dass eine fristwahrend erhobene Klage ggf. zurückgenommen werden muss und er die Prozesskosten zu tragen hat.

Der Versuch des Deutschen Bauernverbandes bzw des Landesbauernverbandes, mit den zuständigen Ministerien eine Vereinbarung dahingehend zu treffen, dass nicht jeder betroffene Landwirt gezwungen ist, Klage zu erheben und statt dessen ein Musterverfahren durchzuführen, dass auf die übrigen Verfahren Anwendung findet, ist leider gescheitert.

Daraus folgt ferner, dass jeder Betriebsinhaber unter Beachtung des vorab Gesagten,  gehalten ist, seine Rechte fristwahrend geltend zu machen.

Bei der Monatsfrist ist zu beachten, dass die Klage innerhalb dieser Frist beim Verwaltungsgericht zugegangen sein muss, in der Regel Eingang beim Verwaltungsgericht Osnabrück spätestens 16. Januar 2O12. Eine Begründung kann nachgereicht werden.[…]

 Es ist wirklich sehr schade, dass Bauernverband und Landvolk keine unbürokratische Lösung erreichen konnten. Nun kommt sehr viel Arbeit auf die Anwälte und Gerichte zu. Viele Bauern werden aufgrund eines recht niedrigen Streitwerts keine Klage einreichen, da in jedem Fall Gerichtskosten anfallen werden.

Jens Haarstrich vom Landvolk Niedersachsen beschreibt folgendes Beispiel:

Es besteht das Risiko, dass Kläger bei einer ungünstigen Entscheidung des EuGH die Kosten des Gerichtsverfahrens tragen müssen. Bei einer Betriebsprämie von 15.000 Euro beträgt die streitige Modulationserhöhung 400 Euro. Bei anwaltlicher Vertretung betragen die Verfahrenskosten etwa 120 Euro plus der Auslagen der LWK, ohne Anwalt fallen nur Gerichtskosten von 35 Euro bei einer Klagerücknahme an (der Gerichtskostenvorschuss beträgt 105 Euro). Bei einer Betriebsprämie von 50.000 Euro beträgt die streitige Modulation 1.800Euro. Das Verfahrenskostenrisiko mit Anwalt liegt bei etwa 310 Euro, ohne Anwalt bei 73 Euro. Bitte lassen Sie sich in Ihrer Entscheidung durch Ihren zuständigen Kreisverband rechtzeitig vor Fristablauf beraten.

Natürlich hoffe ich, dass die jährlich steigende Modulation (ein freundliches Wort für unfreundliche Kürzungen) abgeschafft wird. Hier werden die normalen Landwirte unnötigerweise zusätzlich gegängelt.

Bildquellenangabe: Thorben Wengert  / pixelio.de

begehrtes Stroh

Samstag, November 5th, 2011

Zur Zeit werden auch bald die letzten Maisfelder abgeerntet. In diesem Jahr wird der Mais neben Kartoffel und Zuckerrübe der Gewinner unter den Ackerfrüchten sein.

Verlierer Im Erntejahr 2011 sind leider Raps und Getreide.

Beim Getreide war die  Ernte so gering wie seit 1976 nicht mehr. Das führte in diesem Jahr zu ungeahnt hohen Strohpreisen. Wie die Fachzeitschrift TOP AGRAR berichtet, haben die Preise für Heu und Stroh in den letzten Wochen Rekordhöhen erreicht. Vor allem die Milchviehhalter, die ihren Bedarf an Stroh für die Fütterung und für die Boxeneinstreu über den Stroh-Zukauf decken, haben das zu spüren bekommen. Je nach Region werden im Norden und Westen Deutschland 110 bis 130 € pro Tonne, in den Strohmangelgebieten sogar bis zu 180 € pro Tonne Gersten- oder Weizenstroh gezahlt. Dabei handelt es sich um fertig gepresste Ware, die auf den Hof geliefert wird. Aus den Niederlanden wird teilweise von noch höheren Preisen berichtet. (weiter bei top agrar)

Die Münsterländische Volkszeitung schildert den Preisanstieg aus Sicht einer Pferdehalterin, die nun auf Schilf als Einstreu umgestiegen ist.

Die Gründe für diesen rasanten Preisanstieg sind vielfältig:

Einerseits wirkt sich der immer geringere Getreideanbau und die in diesem Jahr schlechte Ernte durch ein niedriges Angebot auf den Preis aus.

Andererseits ist Stroh heute mehr als nur Einstreu für Tierställe- auch die Nachfrage steigt. Und die Kombination aus geringem Angebot und gesteigerter Nachfrage lässt den Preis für Stroh so stark steigen.

Neben der Funktion als Einstreu und Substrat für Speisepilze gewinnt Stroh immer mehr als Energieträger an Bedeutung:

Steigende Rohölpreise und damit höhere Energiekosten ermöglichen heutzutage Projekte, die man vor wenigen Jahren nicht für möglich hielt. So entsteht zu Zeit in Emlichheim (Grafschaft Bentheim) in der Nähe des Stärkekartoffelwerkes ein riesiges Strohverbrennungskraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung und Prozesswärmeerzeugung.

BEKW-Gebäude

Die Anlage soll ab Herbst 2012 mit 75000 t Stroh ca. 10 MW Strom und knapp 50 MW Wärme produzieren. Ein gigantisches ökologisches Projekt, denn es dürften sicherlich 15000 ha Getreidefläche für die ausreichende Bereitstellung des Strohs nötig sein- das wären ein Viertel bis ein Drittel der Getreidefläche im Landkreis Emsland und der Grafschaft Bentheim!

Es ist also wohl davon auszugehen, dass zumindest regional im Emsland das Stroh nicht billiger werden wird. Der Strohverkauf wird an Bedeutung gewinnen, Zeiten in denen das auf dem Äckern liegende Stroh einfach verbrannt oder später für 1 € pro Großballen verramscht wurde, sind endgültig vorbei.

Der Landwirt sollte aber bei aller Euphorie nicht den Dünge- und Humuswert des Strohs vernachlässigen. In der Landwirtschaft wird Stroh zurzeit auch dafür verwendet, Humusdefizite des Bodens, die aus dem Anbau v.a. von Kulturen wie Kartoffeln, Mais, Rüben, Gemüse, aber auch von Getreide resultieren, auszugleichen. Wird Stroh verstärkt vom Acker abgefahren und anderweitig genutzt, wächst das Risiko von Humusdefiziten im Boden und damit langfristig für die Bodenfruchtbarkeit (Strohverbrennung versus Humusversorgung des Bodens (pdf)).

Ich vermute, dass das Strohkraftwerk in Emlichheim nicht das einzige in Deutschland bleiben wird und Stroh immer mehr auch als umweltfreundlicher Energieträger betrachtet wird, der nicht in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung steht. Da Stroh nun immer kostbarer wird, dürften die problematischen Freilandlager nach und nach durch Strohhallen ersetzt werden, in denen das Erntegut auch wirklich trocken bleibt.

Ich hoffe für die Grafschafter Kraftwerksbetreiber, dass sich der Betreibe der Anlage auch bei höheren Strohpreisen rechnet und sich der unternehmerische Mut auszahlt.

Für die Landwirtschaft ist es sicherlich positiv zu sehen, dass das Stroh auch als Energieträger interessant wird. Möglicherweise lässt sich die andauernde Maisanbauausweitung (auch Vermaisung genannt) eindämmen oder sogar umkehren. Aber vielleicht kommt es auch ganz anders, denn beim Maisstroh, dass nach dem Mähdrusch bisher immer auf den Flächen verbleibt, wird bereits experimentiert (z.B. Firma Kaliro aus Rheine).


Maskenball

Dienstag, Oktober 25th, 2011

Für große Unruhe in der Schweinebranche sorgen zur Zeit Veränderungen bei der Schlachtschweineabrechnung seitens der großen Schlachtunternehmen. Seit dem 4. Oktober sollten neue und dem tatsächlichen Wert des Schlachtkörpers angepasste Klassifizierungen und Abrechnungsmasken für die automatische AutoFOM und für die ältere FOM- Methode gelten.

teilnehmer_maskenball_2011_alle.jpg

Die Modalitäten wurden im Vorfeld  erst sehr spät veröffentlicht, so dass kein Landwirt und schon gar nicht Züchter oder Zuchtorganisationen sich darauf einstellen konnten.

Seitdem haben viele Schlachter ihre Maske aber schon wieder dreimal geändert, weil offenbar einige Schweine für sie zu teuer im Einkauf waren. (mehr …)

Emsland-Biber

Dienstag, Oktober 11th, 2011

Über 20 Jahre ist her, dass bei Haselünne acht Biber ausgesetzt wurden. Seitdem hat sich der Bestand auf über 150 Tiere emslandweit vervielfacht. Nun suchen zwei Biologen nach unbekannten Quartieren der Biber und bitten die Bevölkerung über die Tageszeitung und einer informativen Internetpräsenz (http://www.emslandbiber.de/) um Mithilfe.

Verbreitung des Bibers im Emsland (c) emslandbiber.de

 

Auf der Karte läßt sich die aktuell bekannte Verbreitung ablesen. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass der Biber sich bereits weiter verbreitet hat. Da können bestimmt einige Landwirte weiterhelfen.

Doch leider haben sehr viele auch die Befürchtung, dass durch das Bekanntwerden einer schützenswerten Art für sie selber Nachteile entstehen können in Form von Auflagen, Entwässerungsprobleme, Einschränkung der Nutzungsrechte etc. . Das ist ein Dilemma und es gut, dass in dem oben angegebenen Zeitungsartikel der Leiter der emsländischen Naturschutzbehörde, Ludger Pott, noch einmal darauf hinweist, dass bisher alle Konflikte gelöst werden konnten. „Wichtig für die bisher hervorragende Akzeptanz des Bibers im Emsland sei, dass man berechtigte Interessen von Grundstückseigentümern gewahrt habe. Dies werde auch in Zukunft so sein.

 Ich würde mich freuen, wenn auch die ansässigen Naturschutzverbände so offensiv für Vertrauen bei den Landwirten werben würden. Doch da gibt es wohl noch Verbesserdungsbedarf. So ist mir beispielsweise bekannt, dass ein tierhaltender Bauer  auf seinen Getreideflächen sogenannte Lerchenfenster zum Schutze der Lerchen aber auch Fasane und Rebhühner eingerichtet hat. Als er aber hörte, dass ansässige Lerchen seinem Stallbauprojekt (Legehennen in Freilandhaltung) im Wege stehen könnten, wurden die Fenster schnell wieder geschlossen… 

Es darf nicht sein, dass Landwirte für die Hege und Pflege der Natur- und Kulturlandschaft bestraft werden! NABU und BUND sollten deutlich machen, dass für alle Seiten gute Lösungen möglich sind und der aktive Artenschutz sich nicht für den Bauern irgendwann  als Bumerang erweisen kann.