Archive for the ‘Landwirtschaft’ Category

Schock-Reportage im Ersten

Freitag, September 2nd, 2011

Vorgestern wurde im Ersten die Sendung ARD-exlusiv: Das System Wiesenhof gezeigt. Untertitel: „Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet“.

Jedem, der diesen halbstündigen Beitrag gesehen hat, dürfte der Appetit vergangen sein.

Bereits im Vorfeld hat Wiesenhof versucht, die Ausstrahlung der von der Tierschutzorganisation PETA unterstützten Reportage zu verhindern (Link). Vergeblich.

Nun wehrt sich das Unternehmen gegen die ARD und geht in die Offensive. Ein eigener YouTube-Kanal wurde gegründet und im hauseigenen Newsroom wird das Thema offensiv diskutiert.

Die Reportage der ARD war eindeutig einseitig. Schon bevor die Dreharbeiten begannen, stand der Tenor dieser Sendung bereits fest. Dieses wird in dem Filmbeitrag von Wiesenhof zu dieser umstrittenen Reportage deutlich:

 

Auch dieser Faktencheck ist hochinteressant und sollte von allen, die sich ein wahres Bild von Wiesenhof und der Geflügelproduktion machen wollen, betrachtet werden.

kein schöner Sommer

Mittwoch, August 31st, 2011

Ende Mai jubelte ich noch über den lang ersehnten Regen, der die endlose Frühjahrestrockenheit beendete. In der Folge kam der Regen häufig und ausreichend. Anfangs waren alle Landwirte froh über jeden Liter Wasser, der gefallen ist- denn niemand wusste, wie viel Regen der diesjährige Sommer noch bringen würde.

Nun, leider wurden wir die Geister nicht wieder los: Es gab zur Getreideernte kaum einmal drei Tage in Folge, die Regen frei blieben.

sommer_2011_temp.gif

(Höchsttemperatur in °C)

sommer_2011_nieder.gif

(Niederschlag in l/m²)

sommer_2011_sonne.gif

(Sonnenstunden)

Die Ernte von Weizen, Roggen und Triticale wurde immer wieder von Schauern unterbrochen. Mit der Zeit knickten viele Bestände auf dem Feld so weit ein, dass der Mähdrescher viele Ähren abschnitt. Andere Getreidebestände, die zwar noch gut standen, waren so reif, dass die Körner bei geringen Erschütterungen bereits zu Boden vielen. Leider waren viele Bauern gezwungen, ihre Ernten zu trocknen, weil die geernteten Körner einfach zu feucht waren und nicht lagerfähig waren.

Für mich ziehe ich aber noch eine recht positive Bilanz, obwohl die Erträge deutlich gegenüber dem letzten Jahr zurückgefallen sind. Es hätte schlimmer kommen können, wie zum Beispiel im Osten Deutschlands. Dort gibt es Betriebe, die einen Großteil ihrer Ernte abschreiben mussten!

Hoffentlich bringt der September noch einen schönen Spätsommer. In drei Wochen wird die Maisernte beginnen und auch da würden ein paar trockene Tage helfen…

Bei der Hoffnung auf endlich besseres Wetter sind wir Landwirte ja nicht alleine. Bis auf die Betreiber von Museen und Indoorspielhallen wünschen sich doch alle Biergartenwetter, oder?

(die Diagramme kommen von http://www.wetteronline.de und beziehen sich auf die Wetterstation in Lingen (Ems))

geringste Getreideernete seit 1976

Donnerstag, Juli 28th, 2011

Wie der Landvolk Presse Dienst jüngst mitteilte, wird die Getreideernte in Niedersachsen so klein ausfallen wie schon lange nicht mehr (Bericht in Land&Forst).

Dieses hat zwei Gründe:

Als erstes hat die dramatische Frühjahrestrockenheit sich sehr negativ auf die Getreidebestände und somit auf die Erträge bzw. die Ertragserwartungen ausgewirkt. Aber ein weitere starker Effekt ist der zunehmende Anbau von Mais, der den Getreideanbau besonders in den letzten Jahren zurückdrängt.

Vor 35 Jahren lagen die Durchschnittserträge noch bei ca. 40dt pro Hektar. Aktuell ist das Ertragsniveau beim Getreide  fast doppelt so hoch wie damals, aber diese höheren Durchschnittserträge können den massiven Getreideflächenrückgang nicht mehr kompensieren, so dass zumindest in Niedersachsen die Getreideernte kleiner ausfallen wird als 1976.

Bisher konnten wir auf unserem Hof (mehr …)

Stimmungsmache

Mittwoch, Juli 6th, 2011

In der Stadtratssitzung am vergangenen Montag hat der Vorsitzende der Frerener CDU Johannes Lis den Vorwurf der mangelnden Informationspolitik mit folgenden Worten zurückgewiesen (nachzulesen auch als Kommentar in Roberts Blog:

„Es ist schlicht unverschämt, der CDU in Sachen BioEnergiepark eine mangelnde Informationspolitik vorzuwerfen. Wir als Partei stehen für einen offenen und transparenten Prozess. Schon im vergangenen Herbst hat die CDU Freren in einem Informationsabend in der DEULA wichtige Informationen zur Diskussion gestellt und mit Frau Dr. Rottmann-Meyer einen kompetenten Gesprächspartner gehabt. Seitdem ist das Thema in unzähligen Samtgemeinde-, Stadtrats- und Ausschusssitzungen behandelt worden. Leider – und auch das darf hier erwähnt werden – ist die Teilnahme an solchen Sitzungen verschwindend gering. Zu den Anhörungsversammlungen für die Bauleitplanung erschien kein einziger Bürger; sowohl zum Flächennutzungsplan als auch zum Bebauungsplan gab es keine einzige private Einwendung. Der Informationsbedarf ist offensichtlich gedeckt.“

In einem weiteren Wortbeitrag des Sprechers der SPD fielen die Worte „Stimmungsmache“ und „aufhetzten“.

Ich wäre am liebsten bereits in der Stadtratssitzung  auf diese Anschuldigung eingegangen, hatte aber als Besucher kein Rederecht. Deshalb möchte ich hier noch einmal die Sache klarstellen:

Das Landvolk war die treibende Kraft in dem Aufklärungsprozess rund um die geplante Biogasanlage. Letztlich haben wir Landwirte eine fachliche Stellungsnahme in Auftrag gegeben und auch bezahlt. Es gab viele Versammlungen, in denen es um dieses Pilotprojekt ging- in jeder Sitzung wurden Zweifel geäußert und mit jeder weiteren Veranstaltung kamen (für uns) neue Details an die Öffentlichkeit.

In der von Johannes Lis zitierten Informationsveranstaltung in der DEULA Freren war die Expertin Dr. Rottmann-Meyer wegen mangelnder Informationen und Details zur Biogasanlage nicht in der Lage, die Tauglichkeit des Pilotprojektes zu bewerten. Einzig die Feststellung, dass sogenannte Abfallstoffe zur Vergasung in den Biogasanlagen am Markt teurer geworden seien, im Preis stark schwanken und der Einfluss auf die Biologie innerhalb der Anlagen höchst unterschiedlich sei, ist bei mir hängengeblieben. Diese Faktoren seien dafür verantwortlich, dass einige Betreiber einer abfallwirtschaftlichen Biogasanlage auf den Betrieb einer NaWaRo-Anlage umgestellt haben.

Die Veranstaltung war gut besucht, hauptsächlich von Landwirten, die sich skeptisch und ablehnend zum Projekt geäußert haben. Ich glaube, dass kein einziger Landwirt von der CDU sich „Mitgenommen“ gefühlt hat.

Wir Landwirte in und um die Samtgemeinde Freren hoffen, dass die riesige Biogasanlage tatsächlich so laufen wird, wie es auf dem Papier steht. Sollte es Probleme geben, darf niemals an den städtebaulichen Verträgen gerüttelt und gedreht werden!

Die Ängste der Bauern sind da und diese öffentlich zu äußern ist für mich keine „Stimmungsmache“. Die Ängste wären den Landwirten genommen worden, wenn

  • von Anfang an alle Fakten bekannt gewesen wären und nicht immer weitere Details auf Nachfrage ans Licht gekommen wären.
  • das Pilotprojekt in einer überschaubaren Größe gebaut werden würde. Hier hätte man Erfahrungen bezüglich der technisch aufwendigen Gärrestaufbereitung sammeln können und darauf aufbauend die Biogasanlage erweitern können.
  • zumindest ein unabhängiger Gutachter einmal die Anlage als Ganzes bewertet und als plausibel erklärt hätte!

Übrigens: Die Medienlandschaft im Emsland berichtet durchaus umfangreich von und über die vergangene Stadtratssitzung:

ems-tvEms-Vechte-Welle | Lingener Tagespost: 1 2 3 Bildergalerie

Biogasanlage in Freren – Bardel 4

Dienstag, Juli 5th, 2011

überfüllter Sitzungssaal

Gestern Abend hat der Frerener Stadtrat der Errichtung der Pilot-Biogasanlage leider zugestimmt. Begleitet wurde die Abstimmung von ungefähr 100 Landwirten, die zum großen Teil mit Trecker angereist sind.

Die Lingener Tagespost hat bereits einen Bericht verfasst (Link).

In dieser Sitzung zeigte der Vorsitzende des CDU Stadtverbandes Freren-Andervenne Johannes Lis wenig Verständnis für die Forderungen und Proteste der Landwirte.

Johannes Lis (c) CDU Lingen

Ich halte auch nach einer gut geschlafenen Nacht weiterhin unsere Bedenken für angebracht und stufe die Informationspolitik  immer noch als suboptimal ein.

Für weitergehende Informationen und Ausführungen bleibt mir jetzt keine Zeit mehr, weil gleich für uns auf dem Hof die Getreideernte beginnt.

Für alle, die noch Fragen zu diesem Thema haben, hinterlasse ich meine Mobiltelefonnummer (0151 – 50 74 95 17).

Trecker

 Bis später…