WIKU – Video-Projekt 2

Januar 20th, 2012

Und nun nach dem ersten  Themenkomplex “Tierhaltung in der Landwirtschaft“ der zweite Teil zum Thema „Moderne Landwirtschaft„:

Hähne legen keine Eier

Januar 19th, 2012
Hähne legen keine Eier

das ist allgemein bekannt, doch was macht man mit den Hähnen der auf Eierproduktion spezialisierten Zuchtlinien für die Legehennenhaltung?

Die wenigsten Hähne werden gemästet, die große Mehrheit wird unmittelbar nach Schlüpfen und Geschlechtsbestimmung (Sexen) getötet und meist zu Tierfutter verarbeitet. Der Grund ist, dass diese Tiere sehr schlecht Fleisch ansetzen und für die Mast schlichtweg unrentabel sind.

Um einen Lösungsansatz zur Vermeidung dieses Problems zu finden hat mein ehemaliger und hoch geschätzter Professor Robby Andersson von der Hochschule Osnabrück-Haste ein Forschungsprojekt initiiert.

Robby Andersson

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So berichtete die Osnabrücker Zeitung am 17. Januar:

Der Agrarwissenschaftler leitete den Versuch, der nicht nur zu einem ethischen Umgang mit männlichen Legehennenküken führen könnte, sondern auch zu einer schmackhaften Spezialität der gehobenen Küche.

In einem mobilen Stall mit Wintergarten tummelten sich etwa 500 männliche Legehybriden, berichtet Andersson. Rund acht Tiere teilten sich einen Quadratmeter; im Öko-Landbau sind es zehn, im konventionellen Betrieb 18 bis 20 Tiere. Jeder Woche sei dieses Hühnermobil versetzt worden, sodass das Federvieh Grünauslauf hatte. „Unsere Jungs hatten nach 70 Tagen Mast dunkles, festes Fleisch“, lacht Andersson. Die üblichen auch Broiler genannten Masthähnchen, die lediglich 32 bis 35 Tage gemästet werden, hätten dagegen kaum Bissfestigkeit und helles Fleisch. „Die Chance auf eine bundesweite Beachtung unserer Forschung ist sehr groߓ, schätzt der Agrarwissenschaftler.

Eines räumt er aber ein: „In der Masse lässt sich so etwas nicht produzieren.“ Das zeigt schon allein ein Vergleich des Schlachtgewichts. Während ein Broiler bereits nach 32 Tagen Mast bis zu 1600 Gramm Schlachtgewicht auf die Waage bringt, reicht es beim männlichen Legehybriden gerade einmal zu rund 800 Gramm – und das erst nach 70 Tagen. Der Wunsch nach tiergerechter Haltung sei zwar weit verbreitet, sagt Andersson. Viel Platz im Stall, Grünauslauf und Öko-Futter finden die meisten Verbraucher schließlich gut.

Aber so etwas hat seinen Preis, den viele Kunden gar nicht bezahlen können oder wollen. Die Osnabrücker Forscher haben zum Beispiel festgestellt, dass bei männlichen Legehybriden die Investition pro Mastplatz bis zu zehnmal höher sein kann als bei einem Standard-Broiler. Ähnliches gilt für Futterkosten, die für männliche Legehennenküken mehr als doppelt so hoch sind, vor allem, wenn wie beim Osnabrücker Feldversuch als Öko-Komponenten Weizen, Ackerbohnen, Lupinen und Sojabohnen eingesetzt werden. Andersson: „Pro Kilogramm Schlachtkörper zahlt man für einen männlichen Legehybriden zwischen 12 und 14 Euro.“ Ein Öko-Broiler ginge für 8 bis 10 Euro über die Ladentheke. Wie krass die Kluft ist, zeigt dann der Blick auf den konventionellen Broiler: Der kostet pro Kilogramm Schlachtgewicht schlappe zwei Euro.

Es ist also der Verbraucher gefragt, findet sich zu diesen hohen Preisen ein Markt? Ich würde es begrüßen und werde diese Spezialität einmal selber probieren.

Bildquellenangabe: berwis  / pixelio.de

WIKU – Video-Projekt 1

Januar 18th, 2012

Seit 1929 führt die Katholische Landvolkhochschule Oesede einen mehrmonatigen Winterkurs für junge Erwachsene aus dem ländlichen Raum durch. Seit November ist der 69. Winterkurs (WIKU) zusammen um sich nach der Berufsausbildung für den weiteren beruflichen Werdegang zu qualifizieren.

Jetzt aktuell hat der WIKU die Ergebnisse ihres Videoprojekts auf YouTube eingestellt. Es sind wirklich hervorragende Videos dabei herausgekommen.

Hier Die Videos zum ersten Themenkomplex „Tierhaltung in der Landwirtschaft„:


(Falls die Videoeinbettung nicht funktioniert bitte diesen Alternativlink anklicken)

Klagewelle

Januar 4th, 2012

Die von der ehemaligen Landwirtschaftsministerin Renate Künast betriebene erhöhte Modulation für die jährlichen Ausgleichszahlungen an die deutsche Landwirtschaft hält das Verwaltungsgericht Frankfurt/Oder für nicht EU-gesetzeskonform!

Der Europäische Gerichtshof muss nun weiter entscheiden.

Richterhammer

Für viele Landwirte kann es daher wichtig sein, rechtzeitig Rechtsmittel einzulegen und gegen den Mitte Dezember 2011 zugegangenen Bescheid zur Betriebsprämienregelung (Antragsjahr 2011) vor dem zuständigen Verwaltungsgericht zu klagen.

Der landwirtschaftliche Kreisverein Lingen schreibt dazu:

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Verwaltungsgericht Frankfurt/Oder hält mit dem Beschluss vom 28.09.2011 die 2009 vorgesehene Erhöhung der Modulation im Jahr 2011 um 4 Prozentpunkte auf 9 % sowie die Einführung der progressiven Modulation für EU-rechtswidrig. 

Es hat das Verfahren ausgesetzt und dem EuGH zur Vorabentscheidung vorgelegt. Betroffen sind alle Mitglieder, die eine über 5.000,00 € hinausgehende Betriebsprämie erhalten.

Daraus folgt:

Wenn ein Betriebsinhaber keinen Rechtsbehelf gegen den Bewilligungsbescheid 2011 einlegt, wird dieser rechtskräftig. Selbst wenn der EuGH (mit einer Entscheidung ist erst im Jahr 2013 zu rechnen) ebenfalls die Erhöhrung der Modulation und/oder die progressive Modulation fiir unionsrechtswidrig hält, hat ein Betriebsinhaber keinen Anspruch darauf, dass die Verwaltung den rechtskräftigen Bewilligungsbescheid zu seinen Gunsten abändert.

Betriebsinhaber müssten zur Rechtswahrung innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheides (siehe Rechtsbehelfsbelehrung) Klage beim zuständigen Verwaltungsgericht erheben.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass bisher nicht absehbar ist, ob der EuGH die Rechtsauffassung des Verwaltungsgerichtes Frankfurt/Oder teilt. Der Betriebsinhaber muss also damit rechnen, dass eine fristwahrend erhobene Klage ggf. zurückgenommen werden muss und er die Prozesskosten zu tragen hat.

Der Versuch des Deutschen Bauernverbandes bzw des Landesbauernverbandes, mit den zuständigen Ministerien eine Vereinbarung dahingehend zu treffen, dass nicht jeder betroffene Landwirt gezwungen ist, Klage zu erheben und statt dessen ein Musterverfahren durchzuführen, dass auf die übrigen Verfahren Anwendung findet, ist leider gescheitert.

Daraus folgt ferner, dass jeder Betriebsinhaber unter Beachtung des vorab Gesagten,  gehalten ist, seine Rechte fristwahrend geltend zu machen.

Bei der Monatsfrist ist zu beachten, dass die Klage innerhalb dieser Frist beim Verwaltungsgericht zugegangen sein muss, in der Regel Eingang beim Verwaltungsgericht Osnabrück spätestens 16. Januar 2O12. Eine Begründung kann nachgereicht werden.[…]

 Es ist wirklich sehr schade, dass Bauernverband und Landvolk keine unbürokratische Lösung erreichen konnten. Nun kommt sehr viel Arbeit auf die Anwälte und Gerichte zu. Viele Bauern werden aufgrund eines recht niedrigen Streitwerts keine Klage einreichen, da in jedem Fall Gerichtskosten anfallen werden.

Jens Haarstrich vom Landvolk Niedersachsen beschreibt folgendes Beispiel:

Es besteht das Risiko, dass Kläger bei einer ungünstigen Entscheidung des EuGH die Kosten des Gerichtsverfahrens tragen müssen. Bei einer Betriebsprämie von 15.000 Euro beträgt die streitige Modulationserhöhung 400 Euro. Bei anwaltlicher Vertretung betragen die Verfahrenskosten etwa 120 Euro plus der Auslagen der LWK, ohne Anwalt fallen nur Gerichtskosten von 35 Euro bei einer Klagerücknahme an (der Gerichtskostenvorschuss beträgt 105 Euro). Bei einer Betriebsprämie von 50.000 Euro beträgt die streitige Modulation 1.800Euro. Das Verfahrenskostenrisiko mit Anwalt liegt bei etwa 310 Euro, ohne Anwalt bei 73 Euro. Bitte lassen Sie sich in Ihrer Entscheidung durch Ihren zuständigen Kreisverband rechtzeitig vor Fristablauf beraten.

Natürlich hoffe ich, dass die jährlich steigende Modulation (ein freundliches Wort für unfreundliche Kürzungen) abgeschafft wird. Hier werden die normalen Landwirte unnötigerweise zusätzlich gegängelt.

Bildquellenangabe: Thorben Wengert  / pixelio.de

Zwischen Ohnmacht und Gestaltungswillen

Januar 2nd, 2012

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Mein Lieblingsradiosender, der Deutschlandfunk, sendete gestern am seinem 50. Geburtstag ein sehr gutes Essay von Uwe Jean Heuser, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Wochenzeitung „DIE ZEIT“:

I. Ohnmachtsgefühle

Ein Schreckensjahr lang hat es gedauert, dann hat Europa kurz vor Jahresschluss 2011 doch noch Farbe bekannt. Die Euroländer und einige EU-Partner wollen enger zusammenrücken und das mit Leben füllen, was zuvor nur auf dem Papier stand: eine Stabilitätsunion. Schuldensünder sollen anders als früher tatsächlich bestraft, Schuldenbremsen eingerichtet werden. Dafür stellt Europa schneller mehr Geld bereit als zuvor geplant, teils über Brüssel, teils über den Währungsfonds in Washington.
Nicht alle EU-Länder sind bei diesem Projekt dabei, aber das dürfte wohl vor allem das Problem derjenigen sein, die es vorgezogen haben, draußen zu bleiben. Vor allem Großbritannien wird wenig Freude an seiner selbst gewählten Isolation haben. Es macht seine Banker glücklich, aber nicht seine Bürger. […]

Weiterzulesen unter http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1634442/ oder auch hier nachzuhören.

Auch wenn uns so manche alte Sorgen ins neue Jahr begleiten werden, wünsche ich allen Lesern ein gutes neues Jahr 2012!