Archive for the ‘Politik’ Category

Biogasanlage in Freren – Bardel 2

Mittwoch, Mai 11th, 2011

gers-grap.jpg Nach der sehr gut besuchten Informationsveranstaltung im Saal Lüns (Bericht hier im Blog), bei der alle 120 anwesenden Landwirte offensichtlich gegen die Errichtung der riesigen abfallwirtschaftlichen Biogasanlage waren, gaben die Betreiber in einem weiteren Gespräch weitere Details über das geplante Konzept bekannt. Mit diesen zusätzlichen neuen Informationen ausgestattet hat der Bioenergieexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Christoph Gers-Grapperhaus im Auftrag des Landvolk Lingen ein Gutachten (fachliche Stellungnahme) verfasst. Darauf aufbauend hat das Landvolk Lingen eine ablehnende Stellungnahme verfasst und der Verwaltung der Samtgemeinde Freren übermittelt.

Die landwirtschaftlichen Ortsvereine in der SG Freren sind geschlossen gegen eine weitere Planung der Biogasanlage im Bardel und haben den Ratsvertretern des Samtgemeinderates und des Stadtrates Freren diese beiden Stellungnahmen persönlich überreicht. Soweit ich gehört und selber erlebt habe, sind unsere Volksvertreter dankbar gewesen für unsere neue Betrachtungsperspektive durch das von uns in Auftrag gegebene unabhängige Gutachten der LWK Niedersachsen.

Auch wenn der Betreiber und die Verwaltung den landwirtschaftlichen Vertretern scheibchen-weise immer wieder neue Informationen zukommen ließ (z.B. sollen plötzlich weitere 49,5t Inputstoffe in die Anlage gefahren werden, die besonders überwachungspflichtig sind- das wurde vorher wiederholt explizit in Präsentationen ausgeschlossen!), sind die wichtigsten Bedenken noch lange nicht behoben:

  1. Das Konzept des Anlagenbetreibers ist nicht plausibel und sollte gegebenenfalls von einem weiteren unabhängigen Gutachter bewertet werden!
  2. Es sollen nun doch landwirtschaftliche Produkte zum Einsatz kommen.
  3. Es gibt zur Zeit keine funktionierende Gärrestaufbereitung im Dauereinsatz, wie sie im Bardel zum Einsatz kommen soll. Deshalb wird befürchtet, dass eine Entsorgung über die Ackerflächen in und um die Samtgemeinde Freren herum erfolgen wird- mit den katastrophalen Folgen für die heimische, bäuerlich strukturierte Veredlungswirtschaft!

Fazit:

Es ist eine riesige Biogasanlage geplant, die fast 10x so groß sein wird, wie herkömmliche 500er NaWaRo-Biogasanlagen. Dieses Projekt hat keinerlei Referenzen, es hat einen eindeutigen Pilot-Charakter und birgt für die Landwirtschaft unzählige Risiken und Unwägbarkeiten, die es meiner Meinung nach nicht erlauben, guten Gewissens für diese Anlage zu stimmen!

 

Energiewende

Donnerstag, April 7th, 2011

Nachdem sich im Japanischen Fukushima-Daiichi eine unglaubliche Katastrophe ereignet hat, beeilen sich unsere deutschen Politiker möglichst schnell aus der Atomkraft aus zu steigen. Das von der Bundesregierung  verhängte Atom- Moratorium und die jüngst eingesetzte Ethik-Kommission sollen für eine Neubewertung und daraus folgend für eine Änderung der Energiepolitik genutzt werden.Dass die sieben abgeschalteten Atomkraftwerke nicht sofort durch regenerative Energien ersetzt werden können, wird durch den aktuellen Zukauf von Atomstrom aus unseren Nachbarländern deutlich.Bis auf Kanzlerin Merkel und die CDU scheinen alle anderen Politiker und Parteien sich ein Wettrennen um den schnellsten Ausstieg zu liefern. Mir kommt das Verhalten dabei wie ein politischer Hühnerhaufen in Panik vor!Aus diesem Grund habe ich als aktiver Landwirt und Tierhalter allergrößte Sorgen, dass jetzt mit ganz heißer Nadel das Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien (EEG) so geändert wird, dass es in der Praxis zu tief greifenden Verwerfungen kommen wird.Das aktuelle EEG hat bereits die Biogasanlagen mit einem viel zu hohen Nachwachsenden-Rohstoffe-Bonus ausgestattet, der die Tierhalter in den intensiven Veredlungsregionen an den Rand gedrängt hat. Das hatte bisher schon nichts mehr mit Fairness und Wettbewerb zu tun und zu befürchten ist, dass die inländische Lebensmittelerzeugung weiter benachteiligt wird.Bei den Überlegungen zur neuen Energiepolitik müssen die Folgen ausreichend berücksichtigt werden. Wenn die Novellierung des EEG zu mehr Windkraftanlagen im Inland und im Meer führt, dann kann ich da als Landwirt sehr gut mit Leben. Aber eine weitere deutliche Förderung der Biogasanlagen, die für eine gewisse Grundlast im Mix der erneuerbaren Energien sorgen können, sollten die Auswirkungen auf die Tierwelt, das Grundwasser, dem Landschaftsbild aber auch auf eine bisher völlig gesunde und starke Ernährungsbranche abgewogen werden.Ohne Zweifel: Biogasanlagen haben zwei sehr große Vorteile:1. Sie können auch nachts, wenn die Sonne nicht scheint und bei Flaute, wenn sich kein Windrad dreht, Strom und Wärme produzieren.2. Statt der Stromerzeugung können Biogasanlagen auch zur Gaserzeugung verwendet werden. Mit diesem Gas könnte dann gekocht, geheizt aber auch  Autos und Busse damit betankt werden.Ich bin dafür, dass die Förderung von weiteren Biogasanlagen die bestehende, Nahrungsmittel erzeugende Landwirtschaft  nicht noch stärker benachteiligen darf und statt dessen die Forschung in Biogas weiter verstärkt wird. Denn eines ist auch sicher: Bezüglich der Effektivität sind Biogasanlagen noch eher am Anfang der Entwicklung!

radioaktiver Verbraucherschutz

Donnerstag, März 31st, 2011

Heute ist der 31. März. Erst morgen haben wir den 1. April und dennoch kann ich die folgende Nachricht nicht glauben:Die  EU hat per Eilverordnung die Grenzwerte für aus Japan importierte Lebensmittel deutlich erhöht!Das bedeutet, dass viele Produkte eine viel höhere radioaktive Belastung aufweisen dürfen als bisher und dass die Grenzwerte in der EU nun teils höher sind als die ebenfalls angehobenen Grenzwerte in Japan.Ohne die gesundheitlichen Gefahren einschätzen zu können, halte ich dieses Vorgehen für einen schweren politischen Fehler. Verbraucherschutz braucht Vertrauen und das wird jetzt mit Füßen getreten!Weitere Informationen auf den Nachdenkseiten.

Grün-Rot

Dienstag, März 29th, 2011

rot-gruen-schwaeche.jpgAm letzten Sonntag hat sich in Baden-Würtemberg historisches ereignet: Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands wird eine Grün-Rote Regierung ein Bundesland regieren.

Doch wie konnte das überhaupt passieren? Wirtschaftlich geht es dem Land doch sehr gut. Warum haben bei einer hohen Wahlbeteiligung die Bürger die aktuelle Schwarz-Gelbe Koalition abgewählt?

Die Antwort ist meiner Meinung nach klar: Der Super-Gau in Japan.

Diese unendlich große Katastrophe in Japan hat hier in Deutschland bei der Bevölkerung eine sehr große Besorgnis bis zur blanken Angst erzeugt. Gefördert wurde dieser Angsttrieb der Deutschen durch die einseitige Berichterstattung der Medien und die warnenden Worte der Umweltpolitiker.

Diese Angst führte bereits bei vielen zur Hysterie und Panikkäufen. Vielerorts waren Geigerzähler, Gasmasken, Jodtabletten und Dauerwaren zur Anlage eines Notvorrats ausverkauft!

Dieses eine Thema „Angst vor Atom“ hat in Baden-Würtemberg alle anderen Theman überstrahlt. Die Folgen und der Sinn eines möglichst schnellen und einseitigen Atomausstiegs wurden kaum diskutiert. Wirtschaftliche Vernunft war im Wahlkampf kein Thema.

Aber jetzt müssen Grün-Rot im Südwesten Regierungsverantwortung übernehmen. Und da bin ich wirklich sehr gespannt, wie die Finanzen unter Kontrolle gehalten werden sollen angesichts der angekündigten Energiewende und des möglichen Ausstiegs aus dem Bahnprojekt Stuttgart 21.

Für die CDU ist diese Niederlage ein herber Einschnitt, aber möglicherweise erhöhen sich nun die Chancen, auf Bundesebene weiterregieren zu dürfen. Denn die Grün-Roten Oppositionsphantasien müssen nun in Regierungsformen gegossen werden und dabei wird man viele enthusiastische Wähler enttäuschen müssen bzw. viele Grün-Wähler werden die Kehrseite der Medallie erleben: nämlich steigende Energiepreise (und wahrscheinlich auch höhere Nahrungsmittelpreise) und eine höhrere Staatverschuldung.

Dabei ist der jetzt eingeschlagene Weg von Kanzlerin Merkel genau richtig: Atomausstieg ja, aber bitte mit Augenmaß!

Weiterhin dürfen die Grünen nun demonstrieren, dass sie nicht immer nur plump DAGEGEN sind.

Viele Bauern und Tierhalter haben nun ihrerseits Sorgen, dass ihnen das Leben unter einem grünen Ministerpräsidenten schwer gemacht wird. Aber auch die restlichen Unternehmer machen sich Sorgen, dass Grün-Rot sehr viel Lehrgeld zahlen muss!

Ich hoffe, dass Politik mit Sachverstand gemacht wird – dann wäre es egal, welche Partei mit welchem farbigen Anstrich das Sagen hat. Bis dahin bleiben die Christdemokraten die einzige Alternative.

Bioenergiepark in Freren – Bardel

Freitag, März 18th, 2011

Gestern Abend hat der Landwirtschaftliche Kreisverein Lingen die Mitglieder aus den Samtgemeinden Spelle und Freren zu einer Informationsveranstaltung zur Errichtung eines Bioenergieparks  in den Saal Lüns, Freren eingeladen. Gäste waren Jan Wulkotte, LWK (Meppen), Christoph Gers-Grapperhaus, LWK (Oldenburg) und Samtgemeindebürgermeister Godehard Ritz aus Freren.
SG-Bürgermeister Ritz nahm sich trotz eigenen Urlaubs Zeit und berichtete, dass seitens der Verwaltung mit den Betreibern ein sogenannter städtebaulicher Vertrag geschlossen werden solle, der ausschließt, dass die geplante Biogasanlage mit über 4 MW(el) mit nachwachsenden Rohstoffen gefüttert wird und keine Gärreste oder sonstiger Output auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wird. Dieser Vertrag wird mit Beratung durch Dr. Schulte, einem sehr rennomierten Ex-Richter am OVG NRW, möglichst rechtsicher gestaltet.
Bisher ist es vorgesehen, dass am 12. Mai 2011 der Samtgemeinderat die nächsten Schritte zur Realisierung der Großanlage beschließen soll.

Jan Wulkotte ging in seinem Referat auf den Strukturwandel der Landwirtschaft in Niedersachsen, im Emsland aber auch explizit in der Samtgemeinde Freren ein. So hatten wir in Niedersachsen in 2008 614 Biogasanlagen und im letzten Jahr bereits 1333 Anlagen am Netz. Im Emsland stieg die Zahl der Anlagen von 7 (2004) auf 140- wahrscheinlich werden wir Ende diesen Jahres über 200 Biogasanlagen im Emsland zählen können.
In der Samtgemeinde Freren stehen bisher 5 Biogasanlagen und weiter zwei Anlagen werden noch in 2011 ans Netz gehen.

Weiterhin stellt Wulkotte fest, dass die Nutztierhaltung im Emsland aber auch in Freren stark gewachsen ist, wobei in der Samtgemeinde deutlich weniger Geflügel, dafür aber mehr Schweine gehalten werden.

Bei den Ackerkulturen haben wir im Emsland einen Maisanteil von etwa 46% im letzten Jahr erreicht. Die Tendenz und Prognose ist aber deutlich steigend, weil die Kartoffel bisher mit 16,2% stark angebaut wird und diese Frucht aus marktordnungspolitischen Gründen künftig eine deutlich schlechtere Wirtschaftlichkeit aufweisen wird. In Freren liegt der Maisanteil traditionell schon deutlich höher als im restlichen Emsland.
Aus diesem Grunde und weil der Kartoffelbau mit ca. 3% ein niedriges Niveau aufweist wird eine
weitere deutliche Ausweitung nicht wahrscheinlich sein.

Abschließend betrachtete Wulkotte den Flächenbedarf für die Düngung im Emsland und in Freren. Hier wurde deutlich, dass bereits heute in beiden Untersuchungsgebieten mehr Wirtschaftdünger und Mist anfällt als Flächen zur Verfügung stehen. Die Samtgemeinde Freren hat aber den Nachteil, dass hier nicht so viel Geflügelmist anfällt, der leicht und kostengünstig exportiert werden könnte. Ein zusätzlicher Anfall von Gülle oder Gärsubstraten würde die Flächenknappheit weiter verschärfen.

Hochinteressant wurde der dritte Vortrag von Gers-Grapperhaus:
Er beschrieb die Technik, die Komplexität der Vergärung verschiedener Inputstoffe und die möglichen Wege des sogenannten Outputs, also der Gärsubstrate bzw. deren Verarbeitungsprodukte.
So stellte er zum Beispiel fest, dass eine vorgesehene tägliche Inputmenge von 49,5 Tonnen niemals ausreichen dürfte, um die geplante 3 MW(el) Leistung in der ersten Ausbaustufe zu erreichen.
Ferner berichtete er, dass die Preise für sogenannte Abfallstoffe starken Schwankungen unterliegen. Waren vor ein paar Jahren noch Vergütungen für die Abnahme von Abfallstoffen möglich, so müssen heute diese Stoffe teuer bezahlt werden.
Völlig unklar ist dem Referenten wie die Betreiber die vorgesehene Aufbereitung der Gärreste realisieren wollen.
Die Betreiber planen die Gärreste soweit aufzubereiten, dass das Restwasser in die Kläranlage Beesten eingeleitet werden kann.
Bisher wären Gers-Grapperhaus keine Anlagen bekannt, die über einen Pilotbetrieb hinaus Gülle bzw. Gärreste soweit behandeln können, dass hinten sauberes Wasser herauskommt.
Die Abgepressten Feststoffe sollen nach Betreiberangaben zusätzlich zu den riesigen Klärschlammmengen, die bereits heute auf natürliche Weise
auf dem ehemaligen Bundeswehrdepotgelände in Freren- Bardel getrocknet werden, mit der Abwärme aus der Biogasanlage soweit getrocknet werden, dass diese verbrannt werden können.
Auch das hält der Referent für unschlüssig. Ihm seien NaWaRo-Biogasanlagen bekannt, die kein besonderes Wärmekonzept besitzen, außer dass sie ihre eigenen Gärreste wieder trocknen sollen. Dabei würde die eigene Abwärme dieser Anlagen nur für 50% der Gärreste zum trocknen ausreichen.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es anscheinend keine weitere Biogasanlage gibt, die nach vorgesehem Konzept betrieben wird.
Es wurde auch von Ritz bestätigt, dass 20 bis 30 landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz bedroht sind, wenn für den Input nachwachsende Rohstoffe verwendet werden oder der Output über die landwirtschaftlichen Flächen entsorgt werden müsste.

Auch der geplante Einsatz von Nebenprodukten aus der Nahrungsmittelherstellung wie z.B. Rapspresskuchen, Glycerin, Treber und Fette sorgt für Nachteile für die hiesige Landwirtschaft, denn das sind zum Teil auch Produkte, die aus sehr gutem Grund in der Tierernährung ihren Platz haben.

Ich bin der selben Meinung wie die über 120 anwesenden Landwirte aus den Samtgemeinden Spelle und Freren: So eine Anlage darf erst gar nicht gebaut werden! Die Räte der Stadt und Samtgemeinde sollten die großen Bedenken der Bauern ernst nehmen und den Mut haben, gegen irgendwelche Änderungen des Flächennutzungsplanes zu stimmen.

Weitere Infomationen:

die Betreiber in Spe:
Biene-Service GmbH
VEZ Freren GmbH

Artikel der Lingener Tagespost vom 3.9.2010